excuse me, which level of hell is this?

ich stehe dort, alle laufen um mich herum
ich bin klein, ich sehe alles von unten. sehe die beine an mir vorbeirasen,
meine gedanken driften weg
dicke beine
dünne beine
abgemagerte beine.
fette beine, ich sehe nur meine fetten beine,
ich traue mich keinen schritt zu gehen, nicht vor, nicht zurück

dann steht der so gehasste sportunterricht an. ich schwitze am ganzen körper.
renn, schwein, renn. meine gedanken rasen, ich rase.
6 dürfen raus, badminton, ich bin dabei
sie heben ihr shirt hoch, knoten es zusammen, zeigen ihren bauch, spielen bauchfrei
ich höre sie übers abnehmen reden.
"ich bin so fett, ohne spaß, ich hab 10 kilo zugenommen, jetzt sinds 64 kilo" sagt K
"bah, ich bin doch viel fetter als du! ich wieg zwar nur 56 aber trotzdem sieht man mehr speck als bei dir." antwortet S
schon bin ich wieder auf dem boden. streg dich an, fette sau, renn, krieg jeden ball, mach endlich mal was richtig!
auf dem rückweg sagt jasmin "wieso ziehst du denn jetzt bitte eine strumpfhose an?" "weil ich zu dünn bin, bah!" - meint christina. "nein, bist du nicht! besser als so fett wie ich." - jasmin hat schöne, dünne beine.
ich könnte kotzen wenn ich hör, was andere sagen. wie werden sie mich dann sehen?

dann sitze ich dort, im unterricht, der film läuft, alle sind vertieft.
niemand sieht meine hände an meinen armen, niemand sieht mein schmerzverzerrtes gesicht.
mondförmige flecken, rot unterlaufen, keiner sieht sie.
rechts sitzt jasmin, hat sich weggedreht von mir, zu christina
link sitzt kathi und fabi. sie küssen sich. die ganze zeit.
ich schluck die tränen runter. weitermachen, julie, weitermachen, hör nicht auf.



Kommentare:

  1. ich weiß, das hilft dir nichts, wenn ich das sage.. Aber ich verstehe dich. So gut
    bitte, Julie, gib nicht auf. Bitte, bitte gib den Versuch nicht auf, glücklich zu sein

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  2. http://www.youtube.com/watch?v=qCTrMP_fEiw

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  3. danke..
    aber es gibt so momente, da fällt es mir schwer.
    ich dachte es wird leichter, dachte die momente werden weniger.
    dich inzwischen kommen sie wieder immer öfter und öfter und öfter und öfter.
    ich fang fast an zu weinen, wenn ich nur einen stift fallen lasse, weil ich mir denke, dass ich zu dumm bin auf einen drecksstift aufzufangen. ich kann einfach nicht mehr. es ist alles so schwer. sag, wann ist das so schwer geworden.

    das zu lesen macht mich traurig.
    es macht mich traurig, dass niemand bemerkt(/bemerken will), dass es dir schlecht geht. das hat kein mensch der welt verdient. du scheinst mir ein wundervoller mensch zu sein, ich hoffe dir geht es bald besser, heb den kopf, du schaffst das!

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  4. deine worte sind balsam.
    ich hatte schon immer so starke angst "ich selbst" zu sein, dass ich mein "ich" nie wirklich rausgelassen habe. ich denke nicht, dass ich mich verstelle, aber ich fühle mich nicht echt. ich fühle mich nicht, verstehst du?
    es gibt viele tage an denen ich lache, wenn ich mit freunden unterwegs bin, oder nur rede. wenn ich ablenkung habe. aber sobald ich eine schularbeit mache, in meinem bett liege oder auch nur im bus sitze, sobald ich mit meinen gedanken allein gelassen werde, fangen sie an mich aufzufressen.

    bei dem, was ich lese, was du durchmachst, kann ich es kaum glauben, dass du es durchstehst! ich bin stolz auf dich, dass du das schaffst, es gibt viele momente die einen zweifeln lassen, an sich, an dem system, am leben, an anderen. aber du schaffst es! du kannst stolz auf dich sein

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